Dienstag, 18. Juli 2006
Von der Göttin zu Gott
Die große Gabe des Menschen ist,
Götter zu schaffen die ihm dienlich sind
und nur dadurch ist er ihr Abbild


Die heute gültige Auslegung von Gott, Gottesbild, egal welche abrahamitische aber auch andere Religionsrichtungen, sind in Anbetracht der Menschheitsgeschichte sehr jung. Religionsgrundlagen und damit auch die Bedeutung des allumfassend, kosmisch Lenkenden haben sich mit den Gesellschafts-, Zivilisations- und Wirtschaftsformen geändert. Die Thora oder das alte Testament beschreiben im weitesten Sinne bereits eine sehr gut organisierte und klar strukturiert verwaltete Gesellschaft. Nicht das rein archaische Element des Lebens wird im Bezug zu einer oder mehreren Gottheiten gestellt, vielmehr wird die urbanisierte Existenz einer Gemeinschaft mittels klaren Vorgaben gelenkt. Natürlich ist der Monotheismus nicht die primäre Denkrichtung in der hierarchisch geordneten Welt. Aus einem Pantheon von Göttern und Geistern entstieg der Eingottglaube als Abbild weltlicher partriarchaler Macht und deren Erhaltung mit Sanktionen, ob bestrafend oder das Heil versprechend, durchgesetzt wird. Hatte in der Antike und zur Hochzeit der Ägypter der Herrscher noch göttlichen Status inne und GötterInnen wohnten ihm gleich- oder übergestellt bei, veränderte sich die Sichtweise nach dem Untergang des römischen Imperiums indem die Legitimität zur Herrschaft von Gott gegeben angesehen wurde.

Rollt man die Glaubens- oder Gottesgeschichte von heute aus, nach hinten auf, beginnend mit dem Monotheismus über die männlich geprägte Götterwelt der späten Antike, hin zu den Hermaphroditen die teils den Übergang vom Weiblichen zum Männlichen markieren bis zu den Grabfunden aus prähistorischer Zeit, so stellt sich unwillkürlich auch die Frage nach Gesellschaftsformen, der Organisation einer Sippe, einer Stadt in einer Zeit ohne (heute bekannter) schriftlicher Aufzeichnungen. Es ist unmöglich Veränderungen im Religionsbild allein zu betrachten ohne sich mit der treibenden Kraft – dem Gesellschaftswandel auseinander zu setzten. Ein Bild über die Zeitperiode vom Paläolithikum bis zum Neolithikum (über ca. 6000 Jahre) kann nur durch die Archäologie und damit zusammenhängende Disziplinen gezeichnet werden. Archäologie wird seit den Fünfzieger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr nur als eine Disziplin des Ausgrabens und Zuordnen verstanden, immer wichtiger wurde es auch Zusammenhänge herzustellen und Lebens- bzw. Gesellschaftsformen zu definieren. Die zu Tage beförderten Artefakte aus dem Zeitraum des frühen bis späten Lithikum stellen neben Keramikgefäßen, Werkzeug, Tierfiguren, in großer Anzahl auch Frauenfiguren dar. Diese teils üppig ausgestatten und mit handwerklicher Präzision gearbeiteten „Idole“ lassen aufgrund der Menge und Fundpositionen auf eine Verehrung, mindestens aber Respektierung einer weiblichen Gottheit schließen. Bestärkt wird diese Annahme durch das fast gänzliche Fehlen männlicher Figuren im frühen bis mittleren Stadium der Steinzeit, in wenigen Ausnahmen, werden Männer bei Jagdszenen und „rituellen“ Tänzen in den Darstellungen mit eingebaut. Die Verehrung einer weiblichen Gottheit liegt nicht nur in einer agrarisch geprägten Kultur liegt auf der Hand. Das Überleben und die Vermehrung der Sippe waren von der Natur abhängig, vom fruchtbaren Boden (Schoss) und dem Wissen im Umgang mit Jahreszeiten und klimatischen Bedingungen. Alles Leben kommt aus der Natur, aus dem weiblichen Schoss, so liegt die Annahme dass eine psychologisch für den Menschen (damals wie heute) wichtige höhere Macht nur weiblich sein kann, sehr nahe. In der Weiterentwicklung der Gesellschaft hin zu „städtischen“ Organisation, zum nicht mehr allein von der Natur abhängigen Lebensform behielt die „Göttin“ nicht nur ihre Position, eine Verehrung weiblicher Gottheit wurde durch die Komplexität des Zusammenwirkens der Gesellschaft wichtig. Durch das weitläufige Fehlen belegbarer kriegerischer Auseinandersetzungen bis ca. 4500 kann getrost davon ausgegangen werden dass diese Gottheit im heutigen Sinn betrachtet, sehr friedlich war.

Die Verehrung weiblicher „höherer“ Wesen hat sich über zehntausende von Jahren erhalten, zu finden ist sie noch in den letzten bekannten matrilinearen, matrifokalen Gesellschaftsformen wie ehemals die Irokesen, die heutigen Khasi und die Nayar in Indien und die Mosuo in China. Bei der Vorbereitung einer China Reise vor einigen Jahren ist mir ein kleiner Artikel in einer englischen Zeitung aufgefallen der die „Naxi“ als die letzten Amazonen beschrieb. Im Nachhinein stellten sich die Fehler dieses Beitrags heraus. Entgegen der offiziellen chinesischen Ethnienzuteilung sind die Mouso nicht mit den Naxi verwandt und es sind absolut keine Amazonen. Nach Überwindung einiger Probleme konnte ich ein höchstinteressantes Gespräch mit einer Mouso Frau führen. Die sehr gebildete Dame erzählte, dass ihre höchste geistliche Instanz ist eine Art Schamanin ist, die über das Leben im Gesamten entscheidet in deren Namen geboren und gestorben wird. Ihr untergeordnet ist ein kompliziertes Geflecht aus weiblichen aber auch männlichen GöttInnen und Geistern. Das tägliche Leben ist eng an die überlieferte Religion gebunden und es besteht im Gegensatz zum Rest Chinas ein „heiliger“ Umgang mit der Natur. Matrilineare Weitergabe von Haus und Hof beinhaltet lediglich die Familienversorgung, ein verbriefter Anspruch auf Grund und Boden besteht nicht. Die Göttin regelt die Verhältnisse aller Mosuo und jeder Einzelne übernimmt die Verantwortung für die Gemeinschaft. Überlebt hat diese Religion nicht zuletzt dadurch, dass in China die Konkurrenz einer männlich dominanten Gottheit klein ist. Der Einzige „Feind“ ist das patriarchale Staatssystem und in den letzten Jahren immer stärker der Tourismus. Viele Pseudoforscher in China geben nur den falschen Aspekt der „freien Liebe“ in dieser Gesellschaft weiter und lassen jahrtausende alte funktionierende Familienstrukturen aus. Mein Übersetzter war begeistert von den Ausführungen, die Tatsache das Männer nicht an Ihrem gesellschaftlichen Stand gemessen werden und dadurch auch zu Sex kommen können, vorausgesetzt eine Frau erwählt sie, ist nicht nur für Chinesen eine „Göttinnengabe“.
In Europa sind Reste von matrilinearen Gesellschaftsstrukturen heute noch bei den Basken im spanisch französischen Grenzgebiet, bei den Iberern in Südost und Ostspanien, bei den noch verbliebenen Pikten im schottischen Hochland, und bei einigen Bevölkerungsgruppen der Ukraine und Litauen sowie in einzelnen slawisch geprägten Gebieten zu finden. Die Basken stellen hier noch eine Besonderheit dar. Die baskische Sprache blieb von vorlateinischen oder präindogermanischen Einflüssen weitestgehend verschont und somit in Bestandteilen die letzte Sprache des steinzeitlichen Europas.

Bewusst vermeide ich das Wort „Matriarchat“ im Zusammenhang mit matrifokalen, matrilinearen Gesellschaftsformen. Zu leicht schleicht sich hier der Fehler ein, das gegenteilige Machtverhältnis zum Patriarchat zu denken. Im Matriarchat ist die Unterdrückung eines Geschlechts unbekannt, die Entscheidungen über das Leben innerhalb der Sippe oder Familie sowie auch das Auftreten nach außen werden gleichgestellt getroffen. Die heute vorhandene Familienstruktur ist weitgehend unbekannt. Frauen leben mit Geschwistern (auch Brüder!) und Kindern in einer Gemeinschaft, Männer haben keine biologischen Ansprüche auf Kinder die sie gezeugt haben, sehr wohl übernehmen sie aber einen Teil der Fürsorge für die Schwesterkinder. Vererbt wird nur in weiblicher Linie und damit ist der Familienvorstand (aus heutiger Sicht) eine Frau. Im Haushalts- und Familienwesen der heute noch bekannten Matriarchate haben sich auch Veränderungen über die Jahrtausende durchgesetzt, jedoch nie haben Frauen ihre gleichberechtigte Stellung verloren. Frauen sind Trägerinnen des religiösen Lebens (auch heute im christlichen Europa) innerhalb und außerhalb des Hauses oder der Gemeinschaft und geben Wissen weiter. Diese Befähigung wurde Frauen bis in die späte Antike zugesprochen und in Teilen Europas waren Frauen bis ins frühe Mittelalter für die Weitergabe an medizinischem Wissen verantwortlich.


Göttinnen des „alten Europas“, später weibliche „Heilige“ spielen in allen bekannten Religionen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Als eher aktuelles Beispiel kann Papst Johannes Paul XXIII, ein Verehrer der Madonna von Czestochowa, einer Mater Negra, eine slawische Gottheit aus präkatholischer Zeit, genannt werden, die als Lebensspenderin verehrt wurde. (Negra > Schwarz ist die Farbe der Geburt, des Lebens und Werdens, der Freude;) Maria, die „verchristlichte“ Mater Magna, die von der Kirche unbeabsichtigt aber folgerichtig als „Mutter Gottes“ (also die Vorexistierende) bezeichnet wird genießt in der christlichen Welt und besonders dort wo der Glaube sich sehr stark gesellschaftlich prägend auswirkt, ein sehr hohes Ansehen, durchaus mit der Verehrung des Gottes(sohnes) vergleichbar. Die Verbreitung des monotheistischen Glaubens stieß gegen eine starke und verankerte „Göttinnenverehrung“. Erfolg konnte nur dadurch erzielt werden indem dieses „heidnische“ Bekenntnis ins Christentum mit eingeflochten wurde. Aus diesem Ursprung ehemaliger weiblicher Gottheit ist auch unter anderem die jüdische Glaubensfolge matrilinear. Nicht unerwähnt sollen die „Sheela na Gigs“ in und an den englischen, schottischen und irischen Kirchen aus dem 11. und 12 Jahrhundert bleiben. Die aufgezwungene monotheistischen Religion verbot auch die öffentliche Verehrung keltischer Göttinnen, um diesen dennoch einen „göttlichen Dienst“ zu erweisen, wurden versteckt innerhalb und außerhalb der Kirchen Shella`s eingearbeitet. Diese provokant anmutenden Frauenfiguren mahnen an die Gottheit aus der alles Leben kommt indem sie die Vulva dem Betrachter darbieten. Auch die vielen uns heute noch aus Geschichten und Sagen bekannten Namen der Göttinnen lassen sich nicht nur auf die Mannigfaltigkeit der Sprachen und Dialektik des alten Europas zurückführen. Von den Christen wurde unter anderem auch die „Dreifaltigkeit“ der Göttin übernommen. Sie ist die Jugend, heranwachsend und lernend, die Frau in voller Blüte und Bedeutung – nicht allein wegen ihrer Fähigkeit Leben zu geben und Sie ist „die Alte“, „die Weiße“ und die Todbringende, die ihre Kinder wieder zu sich zurückholt. Für jedes Lebensalter und jeden Lebensumstand hatte die „Verehrte“ einen eigenen Namen.
Es lassen sich in allen Religionen ähnliche Entwicklungen verfolgen mit der Erkenntnis 1. das ein intensives religiöses Leben den Menschen seit Urzeiten begleitet (keine Keulenschwinger!) hat und 2. das der monotheistische Gott in seinem Ursprung weiblich ist, letztendlich 3. das alles getan wird/wurde den Ursprung der heutiger Religionen (europäischer) in eine fiktive Anfangszeit zu versetzten um Legitimität für ein monotheistisch – partriarchels Wertesystem zu erlangen.

Nun wird die steinzeitliche Gemeinschaft, nicht zuletzt durch das erwähnte Fehlen von gegenteiligen Nachweisen, als umsichtig, friedlich und geschlechtlich gleichgestellt beschrieben. Man könnte hier vermerken, dass dies keine besondere Verhaltensweise ist in einer Umgebung die reichlich Nahrung produzieren und erjagen lässt, weiteres wenn wenig bis keine Nahrungskonkurrenz vorhanden ist. Dies ist insofern unzutreffend als man die Entwicklung zur Besiedlung weiter Landstriche, die Errichtung von „Städten“ mit Menschen die nicht mehr nur für die direkte, der Natur abringenden Besorgung von Nahrung gezwungen waren, bedenken muss. Weitere Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Epidemien hätten auch Auslöser für gewaltige Kriege um das Überleben sein können. So stellt sich die Frage nach dem „Übergang“ zur patriarchal dominierten Ordnung. Hier möchte ich auf eine sehr durchdachte und wissenschaftlich fundierte Erklärung bzw. Beschreibung einer großartigen Frau zurückgreifen.

Marija Gimbutas (Prähistorikerin, Anthropologin, studierte Linguistik, Ethnologie und Religionsgeschichte) beschreibt in Ihren Büchern die Entstehungsgeschichte der Zivilisation und ihrer Religion im Europa, beginnend mit dem Neolithikum bis ca. 3500. Die gesellschaftliche Struktur des „alten Europas“ war geprägt von Sesshaftigkeit, Agrarwirtschaft und Jagd, ersten „unverwalteten“ Ansiedlungen mehrer Sippen oder Gruppen, matrifokaler Gottheit(en) (weibliche Idole und Statuen) und matrilinearer Erbfolgen. Archäologische Ausgrabungen belegen eine sehr friedfertige Gemeinschaft, die durch fehlende Schutzwälle ihrer Ansiedlungen auch keine übermächtigen Feinde kannte. Die Grabfunde widersprechen auch einem kriegerischen Volk, abgesehen von Gerätschaften zur Jagd wurden im Alten Europa (11.000 - 4300) keinerlei Hinweise auf eine Waffe zur Abwehr oder Angriff als Mitgaben ins Jenseits gefunden. Die Gräber von Männern Frauen waren in gleicher Form ausgelegt und ähnlich ausgestattet, dies lässt auf eine Gleichstellung der Geschlechter schließen. Archäologische Funde im heutigen Anatolien, Rumänien, süd-westlichen Russland, in Malta und entlang des Balkans bis Griechenland belegen bereits größere Städte vor 4300 (z.B. Çatal Hüyük, 5000 – 6000 Bewohner 00409 (jpg, 72 KB) ) mit ausgeprägtem Handel und wirtschaftlicher Struktur die nach der C14 Methode untersucht und festegestellt wurde das es hier über Jahrhunderte zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen kam.

Um ca. 4500 verändern sich am Unterlauf des Dnjepr und an der Westküste des Schwarzen Meeres plötzlich die bis dahin bekannten Kulturen. Durch Brand und Kriegseinwirkungen zerstörte Ansiedlungen und Städte sind in den Erdschichten lesbar. Bestattungen lassen nicht mehr auf eine gleichgeschlechtliche Stellung von Frau und Mann schließen. Als Grabbeigaben für Männer finden sich nun Waffen, nicht mehr nur zur Jagd und sehr auffällig sind auch Pferdeskelette zu finden. Nicht selten wurden auch Gefährten im Leben, wie Untergebene und Frauen getötet und beigelegt. Bei, bis zu diesem Moment nicht bekannten Bestattungen von „Führern“ kann man sich des Eindrucks einer Massenschlachtung von Tier und Mensch nicht erwähren. Die geltenden Kulturen, Gesellschaftssysteme und Wirtschaftsformen verschwinden in einem sehr kurzen Zeitraum.
Gimbutas vergleicht die Invasion der Indoeuropäer oder auch Protoindoeuropäer mit der Landnahme des amerikanischen Kontinents durch die Europäer. Diese „Kurgan-“ (>russ. Hügel; Hügelgräber) oder „Jamna-“ (>russ. Grube; Unterbau eines Hügelgrabes) Völker kamen aus dem Osten, aus dem Wolga – Uralgebiet und den Nordpontischen Gegenden. Linguistische Forschungen von Wissenschaftlern legen die Annahme nahe, dass die ursprüngliche Heimat der Indoeuropäer zwischen den von finnisch- ugrischen und kaukasischen Sprachfamilien bewohnten Landstrichen angesiedelt war. Die Kurganvölker waren Hirten und zogen als Nomaden von einer Weidefläche zur nächsten. Ihre Stärke war die Mobilität. Erstmals in der Geschichte des Menschen taucht das Pferd als Reittier in den Mittelpunkt und verändert somit das bis dahin geltende Bild des Alten Europas. Der Grund für einen Vorstoß der „Indoeuropäer“ nach Westen und Südwesten und in den Südosten war die zunehmende klimatische Veränderung in ihren Angestammten Gebieten. Das Klima wurde trockener und die üppigen Weideflächen schoben sich immer weiter in Richtung Westen und Süden entlang der großen Flüsse wie Dnjepr und zum Donaudelta (vergl. J. De Meo 1991). Die Domestizierung des Pferdes war bei den sesshaften matrifokalen Europäern unbekannt, ebenso kriegerische Auseinandersetzungen. Die alten Europäer kannten keine so mächtigen Feinde und waren nie mit der Verteidigung ihres Lebensraumes konfrontiert. Die Eroberung der alten Welt vollzog sich in drei Schüben (4500, 3500 u. ca. 2000) und jedes Mal wanderten die Invasoren weiter westlich oder lösten eine Volkerwanderung der Vorangegangenen aus. So ist es erklärbar, das Grabstätten (z.B. Rheinland / Pfalz) mit der Charakteristik der matrifokalen Gesellschaft an manchen Orten jünger sind als vorhandene Hügelgräber der Kurganvölker. Sobald die erste Welle der Indoeuropäer übers Land gezogen ist um neue Lebensräume zu finden und zu erobern, kehrten die Menschen wieder zu ihrer Kultur zurück. In den kommenden Jahrtausenden strömen aus dem Osten Europas immer mehr Indoeuropäer in Richtung Westen und verändern nicht nur nachhaltig Kultur und Gesellschaft, erobern groß Teile Europas und richten erste „Reiche“ mit Waffengewalt ein, auch das gültige religiöse Weltbild verändert sich drastisch (JPG, 117 KB) .

Am verständlichsten ist die Wandlung von einer Verehrung der Muttergottheit hin zur Heiligung der Krieger- oder Donnergötter am Vergleich der gegensätzlichen Vorstellung vom Leben nach dem Tod zu beschreiben. Die Menschen des alten Europas sind vom starken Glauben an die zyklische Lebenserneuerung durch die große Göttin geprägt, ihre Grabmähler sind Mutterleibsähnlich geformt und wurden als der göttliche Uterus zur Wiedergeburt betrachtet. Die Gravuren auf den Steinen von Megalithgräbern zeigen Symbole des Lebens, wie Wasser (konzentrische Kreise und Bögen), sich windende Schlangen, Schlangenspiralen, Dreiecke!, Rhomben, doppelkonische Sanduhrformen, Zickzacklinien für Mondzyklen, an. Die Toten wurden exkarniert, die Gebeine mit Ocker bestreut und beigesetzt. (teils heute noch in Griechenland üblich, oder die noch bekannten Schädel- oder Gebeinhäuser weltweit). Die Indoeuropäer glaubten an den geradlinigen Übergang des Einzelnen in die Welt der Toten, zu einem anderen „Leben“. Aus diesem Grund wurden Totenhäuser gebaut um Werkzeug, Waffen und Schmuck dem Verstorbeben in die Unterwelt mit zu geben. Nicht selten gehörten zu dieser Reise auch alle wichtigen Mitglieder im Leben, Mensch und Tier. Vor allem wurden häufig Könige oder Häuptlinge mitsamt Frauen, Kinder, Gesinde, Pferden und Hunden bestattet. In der Vorstellung der Kurgan herrschte ein männlicher Gott, meist Krieger, über die dunkle sumpfige „Unterwelt“. Drei Tage dauerte die Reise bis zum Fluss des Übergangs in das Schattenreich aus dem es kein Entrinnen gab und keine Wiedergeburt möglich war. Auch und besonders bei den Lebenden wandelten sich die Bilder der Götter. Die Sonne wurde zur Gottheit erhoben und dieser Gott hatte zwei Lebenszyklen, der junge Gott im Frühling und Sommer, der Alte im Herbst und Winter. Das Symbol männlicher Kraft und Mutes ist der Donnergott in seinen verschiedenen Erscheinungen. Aus dem Symbol der Lebensenergie spendenden Schlange wurde bei den Indoeuropäern das „Böse“, der Widersacher zum Gott der hellen Sonnenwelt, das Pferd wird zum heiligen Tier und Epiphanie des obersten Gottes des hellen Gottes der Sonne. Darstellungen zeigen Götter zu Pferde oder in Pferdewagen stehend.

Der Mensch im steinzeitlichen Europa hat sich eine Göttin des Lebens, des Wissens, der Gemeinschaft und der Friedfertigkeit geschaffen, eine Gottheit der Güte, des Zusammenwirkens und der Wiedergeburt. Für die Indoeuropäer mit dem Anspruch auf Besitz und Macht hatte dies nur eine mindere Bedeutung, zum Führen von Kriegen und zum Unterwerfen von Völkern waren leuchtende männliche Leitbilder gefragt. Interessant ist jedoch, dass nach der Beruhigung der Wirrnisse in der Phase der Umwälzung die weibliche Gottheit zunehmend wieder an Bedeutung gewonnen hat und bis heute, trotz partriarchal dominierter religiöser und gesellschaftlicher Regelsysteme seit den Anfängen der Inquisition, nicht ganz verloren ging. Mit den Indoeuropäern ging die Gleichstellung der Frauen verloren und hat sich bis heute nicht erholt. Wenn es auch in westlichen Ländern Frauen möglich ist Bildung zu erlangen und Führungspositionen zu erhalten so täuscht dies nur über eine Gleichstellung hinweg. Von erfolgreichen Frauen wird erwartet dass sie Handeln und Denken wie Männer und nur die „entweibte“ Frau hat Chancen im Berufsleben zu bestehen, besonders auffallend sind die Kleidung und das vermännlichte Verhalten von Karriere - Frauen. Andererseits ist heute weltweit die gesamte gesellschaftliche wie wirtschaftliche Struktur primär partriarchal aufgebaut und zu keiner Zeit vorher litten so viele Frauen und Kinder weltweit unter Hunger und Not. International geht es nicht um eine gerechte Verteilung von lebenswürdigem Status, Nahrung, Grund und Boden oder Ressourcen jeglicher Art, immer noch holt sich der Staat oder Staatengemeinschaft mit dem größten Einfluss (Waffen, Krieg und Kriegsdrohung) die besten Anteile für sich ohne Rücksicht auf „unbewaffnete“ oder unterlegene Menschen und Völker.

Bei einem Post wie diesen können nur Eckpfeiler der geschichtlichen Veränderung angerissen werden, die Behandlung nur einer speziellen Thematik ist wegen der weit reichenden Zusammenhänge nicht ziel führend. Darum ist dies nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus einem....

Einige weiterführende Links:
Minangkabau
Ernest Bornemann
Sheela-na-gig
Sheela Na Gig carvings and the symbolism of Sheela Na
Çatal Hüyük


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