Montag, 14. Januar 2008
Teil IV — Woher und wohin?
Ein wichtiger Teil der Begabung ist die Belehrung. Besucher des Tempels werden in einer etwa 90-minütigen Begabungs-Session darüber belehrt, wie die Welt entstanden ist, warum wir Menschen hier sind, und wohin wir eines Tages nach unserem irdischen Tod gehen werden. Die Belehrung ist von überwältigender Klarheit. Die Worte sind einfach, die Bedeutung für jeden Anwesenden klar und verständlich. Dabei ist der Inhalt der Belehrung keinesfalls neu oder gar geheim. Wer wissen möchte, was im Tempel in einer Begabungssession gelehrt wird, muss nur in der „Köstlichen Perle“ und dort im Buch Mose lesen. Dort steht sogar noch viel mehr als das, was im Tempel gelehrt wird. Was ist also anders? Der Tempel ist celestial, und der Teufel hat keinen Zugang zum Tempel, also kann im Tempel während der Belehrung Geist zu Geist sprechen. Klar und unverfälscht.

Die Belehrung im Tempel öffnet den Anwesenden die Augen für die Vorgänge auf dieser Welt. Es bildet sich ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge, und die Klarheit, mit der die Belehrung erfolgt, reinigt das Herz und die Seele von den unverständlichen, unfertigen und verwirrenden Vermutungen und Theorien der weltlichen Lehrer.

Damit jede Seele die gleichen Belehrungen empfängt, ist der Wortlaut während der ganzen Begabungs-Session vorgegeben. Jede beliebige Session enthält die gleichen Belehrungen, in exakt den gleichen Worten. So haben alle die gleichen Vorraussetzungen das Gelernte für sich anzuwenden. Ausserdem bildet sich ein weiterer Vorteil heraus. Geht ein würdiges Mitglied in den Tempel um seine eigene „Begabung“ zu empfangen, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht alles behalten. Geht er aber ein weiteres mal stellvertretend für einen Verstorbenen in die Session, hört er die exakt selbe Belehrung noch ein mal.

In meinem Leben bin ich sicherlich zwei- oder dreihundert mal für Verstorbene in einer Begabungs-Session gewesen, und ich habe immer wieder das selbe gehört. Wird das nicht langweilig? Die Besuche liegen meist in einem größeren zeitlichen Abstand zueinander. So kann es durchaus vorkommen, dass zwischen zwei Besuchen einige Monate, sogar Jahre vergehen. Wenn ich in der Zwischenzeit etwas von der Belehrung vergessen haben sollte, wird mir dies beim nächsten Besuch wieder in Erinnerung gerufen. Aber das ist ein rein praktischer Aspekt. Es gibt auch einen geistigen. Als ich den Text der Belehrung langsam verinnerlicht hatte, bemerkte ich etwas Ungewöhnliches. Die Belehrungen waren zwar immer die selben, aber die Lehren die ich daraus schloss wurden immer größer. Zu dem Offensichtlichen, kamen immer mehr Erkenntnisse hinzu, die tiefer gingen. Das war zum einen darauf zurück zu führen, dass ich immer mehr Details der Belehrung bemerkte. Zum anderen hatte ich zwischen den Tempelbesuchen auch zusätzliche Erfahrungen gemacht und sah bestimmte Worte und Wendungen in einem neuen Licht. Als drittes hatte ich den Eindruck, dass während der Belehrung zusätzliche Belehrungen durch den Geist persönlich an mich gingen. Noch etwas ist bemerkenswert. Keine Erkenntnis aus den Belehrungen hätte jemals eine frühere ersetzt. Sie ergänzen sich, formen mit jedem mal etwas Größeres. Welche Belehrung ausserhalb des Tempels kann so etwas schon von sich sagen? Für mich ist die immer gleiche, und doch jedes mal neue Belehrung im Tempel ein Zeugnis dafür, dass die Belehrung von Gott kommt.

Die „Köstliche Perle“ und andere Heilige Schriften online verfügbar: http://scriptures.lds.org/de/

... comment